Das Management-Team von E-Lyte: eine Frau und sechs Männer in einem Gang
„Der Markt alleine in Europa ist immens.“

Batterien und Akkus werden künftig noch wichtiger bei Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Mobilität. E-Lyte bietet eine optimierte Elektrolyt-Lösung für jeden Anwendungsfall mit dem Ziel, Batterien im industriellen Einsatz leistungsfähiger, langlebiger und weniger störanfällig zu machen.

© Bild: E-Lyte

Duplikat von Duplikat von Duplikat von Duplikat von E-Lyte: die perfekte Elektrolyt-Lösung für jede Batterie (This content is only available in German.)

Sebastian Staiger (Head of Marketing/PR)

Wie kommt man darauf, die perfekte Elektrolytlösung zu entwickeln? Und vor allem: Wie geht man vor? Wer kann einen bei dem Vorhaben unterstützen? Denn eine solche Geschäftsidee erfordert neben einem Team vom Fach vor allem eins: Geld. Geräte, Laborkapazitäten, Entwicklungszeiten – das alles ist kostspielig und für ein junges Start-up nicht ohne Unterstützung aus Forschung und Industrie zu bewerkstelligen. Sebastian Staiger verrät uns im Gespräch mit #GründenNRW Insights.

Idee und Motivation

Was war der konkrete Auslöser für die Gründung von MINDZEIT? Mit welcher Vision seid ihr gestartet – und welches Problem im Bereich mentale Gesundheit wolltet ihr lösen?

Céleste Spahić: Die Idee zu MINDZEIT entstand 2018 aus einer persönlichen Beobachtung: Viele Menschen beschäftigen sich im Arbeitsalltag erst dann bewusst mit ihrer mentalen Gesundheit, wenn der Druck bereits deutlich spürbar ist. Klassische Unterstützungsangebote wie Beratung oder externe Mitarbeiterberatungen, sogenannte EAP-Programme, sind in solchen Situationen sehr wertvoll. Sie greifen jedoch meist dann, wenn Mitarbeitende bereits aktiv Hilfe suchen, also wenn Belastungen schon als Problem erkannt wurden.

Uns hat die Frage beschäftigt, was vorher passiert: in den Wochen und Monaten, in denen sich Stress unbemerkt aufbaut, Menschen weiter funktionieren, aber innerlich immer weniger Raum für Erholung, Klarheit und Selbstreflexion haben.

Daraus ist die Vision für MINDZEIT entstanden: eine App, die Menschen nicht erst im Krisenfall begleitet, sondern im Alltag, niedrigschwellig, regelmäßig und ohne die Hürde, aktiv „Hilfe suchen" zu müssen. 2019 haben wir den ersten Prototypen gebaut, 2021 hatten wir unseren Markteintritt. Seitdem haben wir unser Angebot kontinuierlich weiterentwickelt, immer mit demselben Grundgedanken: mentale Gesundheit genauso selbstverständlich in den Alltag der Menschen zu bringen wie Sport oder gesunde Ernährung.

Welche Rolle spielt NRW bzw. euer Gründungsstandort für die Entwicklung von MINDZEIT – beispielsweise hinsichtlich Netzwerken, Förderangeboten oder dem Austausch mit anderen Start-ups?

Céleste Spahić: NRW hat einen riesigen Vorteil. Es besitzt nicht nur das Netzwerk und Ökosystem einer Stadt, sondern vieler Städte auf sehr dichtem Raum. Köln, Bonn, Düsseldorf, Aachen und das Ruhrgebiet bündeln eine vielfältige Start-up-Szene, kombiniert mit starken Wirtschaftsstandorten, wie es sie in Deutschland kein zweites Mal gibt. Gerade weil wir eine B2B-Lösung entwickelt haben, war diese Dichte an Unternehmen und Wirtschaftskraft für uns von großem Vorteil.

 

Technologie und Innovation

Welches konkrete Problem löst MINDZEIT für Unternehmen und Mitarbeitende – und wie unterscheidet sich euer Ansatz von klassischen Gesundheitsangeboten oder Coaching-Programmen?

Céleste Spahić: Für Mitarbeitende löst MINDZEIT ein Zugangsproblem. Viele bestehende Angebote sind hochwertig, aber schwer in den Alltag zu integrieren, sie setzen aktive Initiative voraus, sind oft an feste Termine gebunden oder fühlen sich für den ersten Schritt zu förmlich an. MINDZEIT ist bewusst niederschwellig gestaltet: eine App, die man in fünf Minuten zwischen zwei Meetings öffnet, mit personalisierten Übungen, die sich an der eigenen Stimmung orientieren.

Für Unternehmen löst MINDZEIT ein Nutzungsproblem. Viele bestehende Gesundheitsangebote haben eine sehr geringe tatsächliche Nutzungsrate, weil sie erst in Anspruch genommen werden, wenn der Leidensdruck schon hoch ist. MINDZEIT ist dagegen als tägliche Lösung konzipiert: niedrigschwellig, alltagsnah und präventiv. So entsteht eine kontinuierliche Verbindung zwischen Mitarbeitenden und ihrer mentalen Gesundheit – lange bevor aus Belastung eine Krise wird.

Der Unterschied zu klassischem Coaching liegt im Format: Wir ersetzen keine Beratung und kein Coaching, sondern ergänzen sie um die tägliche, mobile Ebene, die zwischen den einzelnen Beratungsterminen oft fehlt.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zu vielen klassischen Gesundheitsangeboten, Coaching-Programmen und reinen Wellness-Apps ist die Zertifizierung: Unser Präventionskurs ist nach § 20 SGB V zertifiziert. Das bedeutet, dass er als qualitätsgeprüfter Präventionskurs im Sinne der gesetzlichen Gesundheitsförderung anerkannt ist und von gesetzlichen Krankenkassen bis zu 100 Prozent bezuschusst werden kann. Für Unternehmen ist das besonders relevant, weil MINDZEIT damit nicht nur ein digitales Wohlfühlangebot ist, sondern ein geprüftes Präventionsangebot, das sich auch in Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung einbinden lässt.

Gab es bei der Entwicklung der Plattform besondere Herausforderungen – etwa in den Bereichen Nutzerakzeptanz, Datenschutz oder Personalisierung?

Céleste Spahić: Der Kern unserer Idee war es, eine User Journey zu schaffen, die zur regelmäßigen Nutzung motiviert. Denn gerade im Bereich der Prävention, also dort, wo noch kein Schmerz und kein Leid besteht, ist es schwierig, Menschen zu gesundheitsförderlichen Maßnahmen zu motivieren. Unsere psychologisch designte User Journey hat genau dieses Problem adressiert und sehr gut gelöst. Denn auch in der Prävention gilt umso mehr: Jedes Angebot ist wertlos, wenn es nicht genutzt wird.

 

Gründung und Aufbau

Was waren die wichtigsten Meilensteine auf eurem Weg von der ersten Idee bis zur marktreifen Lösung?

Céleste Spahić: Die wichtigsten Meilensteine waren vor allem diese: 2021 haben wir unsere mobile App zeitgleich für die beiden führenden Smartphone-Betriebssysteme veröffentlicht. 2022 wurden wir mit einem renommierten Innovationspreis als eine der zehn bedeutendsten Innovationen des Jahres ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde unsere App mehrfach von einem der weltweit größten App-Marktplätze als eine der besten Meditations-Apps hervorgehoben.

2023 erhielten wir die Zertifizierung durch die zuständige Prüfstelle für Präventionsangebote, wodurch unsere Leistungen von allen gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden können. Seit 2025 besteht zudem eine vertragliche Kooperation mit einer gesetzlichen Krankenkasse. Es gab darüber hinaus noch viele weitere wichtige Entwicklungen, aber das sind auf jeden Fall die Highlights.

Wie habt ihr die Anfangsphase finanziert und welche Bedeutung hatten Förderprogramme, Wettbewerbe oder Investments für euer Wachstum?

Céleste Spahić: Wir sind nach wie vor bootstrapped. Das bedeutet, wir haben noch kein Fremdkapital aufgenommen und uns komplett selbst finanziert. Für uns waren aber vor allem Förderprogramme wie das Gründungsstipendium NRW, der Kölner Rahmen oder die Gamesförderung der Film- und Medienstiftung NRW initial sehr hilfreich. Letztere insbesondere, weil wir auch Gamification nutzen, um unsere User zu motivieren.

Erfolge und Zukunft

Gab es einen Moment oder ein Feedback von Kundinnen und Kunden, das euch gezeigt hat, dass Mindzeit einen echten Mehrwert schafft?

Céleste Spahić: Ja, sogar sehr oft. Insbesondere in unserer Zusammenarbeit mit Unternehmen haben wir von Mitarbeitenden ein sehr schönes Feedback bekommen. Eine Person hat uns offen erzählt, dass sie MINDZEIT ergänzend zu ihrer Therapie nutzt, in Absprache mit ihrem Therapeuten, und sich inzwischen jeden Tag eine feste 'MINDZEIT' eingerichtet hat. Bei einem Unternehmenskunden hat ein Vertriebsleiter, der dem Thema anfangs sehr skeptisch gegenüberstand, nach zwei Wochen zurückgemeldet, dass ihm die Arbeit mit der App richtig guttut, und wollte sie direkt für sein ganzes Team. Es gibt noch viel mehr, aber diese Beispiele sind uns besonders im Gedächtnis geblieben.

Wie beobachtet ihr die aktuelle Entwicklung im Bereich Mental Health und betriebliche Gesundheitsförderung? Welche Trends werden die Branche in den nächsten Jahren prägen?

Céleste Spahić: Wir sehen eine klare Verschiebung von reaktiven zu präventiven Modellen. Lange Zeit war betriebliche Gesundheitsförderung vor allem ereignisgetrieben, Beratung und Coaching, wenn Belastung bereits entstanden ist. Diese Angebote bleiben wichtig, aber Unternehmen erkennen zunehmend, dass Prävention im Alltag genauso entscheidend ist.

Ein zweiter Trend ist die Erwartungshaltung der Mitarbeitenden selbst. Gerade jüngere Belegschaften erwarten digitale, mobile und niedrigschwellige Zugänge zu mentaler Gesundheit, ähnlich wie sie es aus anderen Lebensbereichen gewohnt sind. Wer hier nur auf klassische, terminbasierte Angebote setzt, erreicht einen wachsenden Teil der Belegschaft nicht mehr.

Und drittens wird der Nachweis von Wirkung wichtiger. Unternehmen wollen zunehmend nicht nur ein Angebot vorhalten, sondern auch sehen, ob und wie es genutzt wird. Digitale, datenbasierte Lösungen werden hier eine wachsende Rolle spielen, immer unter strenger Wahrung des Datenschutzes.

Tipps für Gründerinnen und Gründer

Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften sind aus eurer Sicht besonders wichtig, um ein Startup im Gesundheits- oder Tech-Bereich erfolgreich aufzubauen?

Céleste Spahić: Geduld gehört für uns ganz oben auf die Liste, was im Tech-Bereich oft unterschätzt wird. Im Gesundheitsbereich kann man nicht alles mit Geschwindigkeit lösen. Zertifizierungsprozesse, Datenschutzanforderungen und das Vertrauen von Unternehmenskunden lassen sich nicht abkürzen, sie brauchen Zeit und Sorgfalt.

Genauso wichtig ist eine hohe Fehlertoleranz gegenüber sich selbst, gepaart mit Beharrlichkeit. Wer im Gesundheitsbereich gründet, trifft auf viele regulatorische und fachliche Hürden, die in anderen Branchen nicht existieren. Man muss bereit sein, immer wieder nachzujustieren, ohne die ursprüngliche Vision aus den Augen zu verlieren.

Und schließlich: echtes inhaltliches Verständnis für das Thema, nicht nur für die Technologie. Eine App für mentale Gesundheit zu bauen bedeutet, psychologische und wissenschaftliche Substanz mit sinnvollem Produktdesign zu verbinden. Das eine ohne das andere funktioniert nicht.

Welchen Rat würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer gesellschaftlich relevanten Idee starten möchten?

Céleste Spahić: Verliebt euch nicht zu sehr in die ursprüngliche Idee, sondern habt das Problem, das ihr lösen wollt, im Fokus. Die konkrete Umsetzung wird sich über die Jahre ohnehin verändern, das Problem bleibt meist bestehen, und das sollte der Anker sein, an dem man sich orientiert.

Bleibt offen und sucht euch früh Austausch, mit anderen Gründenden, mit Förderstellen, mit potenziellen Kunden. Ideen leben davon, dass man früh echtes Feedback bekommt, statt sie monatelang im eigenen Kopf zu perfektionieren.

 

Weitere Information:

https://mindzeit.app/